Gestern ist Folgendes passiert:
Macht es wirklich Spaß sich mit Hooligan-Vollpfosten in Thor Steinar Klamotten in eine Kneipe zu setzen? Sind die, die auf der Süd Leute ansprechen weil sie komische Schals mit "Meine Heimat" in Schwarz-Weiß-Roter Optik präsentieren wirklich in der Minderheit? Traurig, mit welchem Pack sich viele in Bielefeld solidarisieren... [blog5.fussballkompetenz.de]
Was ging diesem Kommentar voraus? Ich hab gepostet, daß ich am Samstag vor Arminiaspiel gegen St. Pauli in einer Hamburger Kneipe war – zusammen mit anderen Bielefelder Leutchen, die nicht ansatzweise rechts oder Hooligans sind. Die Kneipe selbst steht in Insiderkreisen allerdings im Verdacht, hin und wieder von rechtem Volk frequentiert zu werden.
Gegenwärtig wird ja viel über Google-Streetview diskutiert. Superhicer Scheiß! Rein technisch. Rein von den Infos her. Aaaaber: Die Argumente der Kritiker habe ich nicht erst seit dem oben geschilderten Vorfall verstanden, aber gestern dann doch etwas am eigenen Leibe gespürt: Will man in irgendwelchen missverständlichen Situationen ins Netz gestellt werden? Beispielsweise frisch vom Frisör kommend, in diesen Stiefeln zufällig vor dieser 'rechten' Kneipe stehend? Und sich so plötzlich in einer Verteidigungssituation ("Bitte glaubt mir: Ich bin kein Nazi") wiederfinden? Die Situation muss nicht einmal missverständlich sein: Soll ein homosexueller Berufschullehrer einer homophoben Maurerklasse vom Google-Auto dabei 'ertappt' werden, wie er gerade in eine Schwulenbar der nächstgrößeren Stadt eintritt?
Mittlerweile will Google das alles angeblich technisch lösen können. Das allerdings ist lediglich eine Reaktion auf die Diskussion. Zuvor haben sie allen Ernstes argumentiert: Jeder Mensch habe die Möglichkeit, bei Google die Unkenntlichmachung von Gesichtern zu beantragen. 'User Korrigierter Content' sozusagen. Problematisch ist das jedoch für Leute, die sich nicht so oft auf Googlemaps rumtreiben, daß sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auf den Streetview mit ihrer Person treffen bevor es der Freundeskreis oder die Bildzeitung tun.
Googles Service ist super, ich will ihn haben. Aber nur, wenn Google mit den Autos und der Software nicht nur die halbe Zeche bezahlt. Was sag ich: Nur die zehntel Zeche. Denn sie müssen auch die Redakteure bezahlen, die sich jedes Bild anschauen und jede Person unkenntlich machen, bevor es veröffentlicht wird.
Beim User Generated Content – wenn sie beispielsweise bloggen, in welche Kneipen sie gehen – sind die User selbst schuld, was sie über sich ins Netz stellen (mal abgesehen von Mobbing, wo andere etwas über einen ins Netz stellen). Doch mit diesem Spaß ist Streetview schlicht und einfach nicht vergleichbar.
Kommentare
04.03.2010 - 11:27 — Ben (not verified)
Also … wenn ich mich nicht
Also … wenn ich mich nicht irre macht Google Personen in den Bilder inzwischen automatisch unkenntlich. Hab dafür aber keine Quelle gerade.
04.03.2010 - 11:56 — Thomas
@Ben: Ja, das hab ich ja
@Ben: Ja, das hab ich ja geschrieben:
04.03.2010 - 11:58 — Thomas
PS: Bin gespannt, ob sie das
PS: Bin gespannt, ob sie das technisch hinkriegen. In echt, glaubich, sind sie kniepig und wollen sich den Dienst möglichst wenig kosten lassen.