spiegel.de, zeit.de oder taz.de: Welches Abo gönne ich mir denn nun?

Ich habe hier im Blog bereits geschrieben, daß die Produktion von 'gutem' Journalismus (was immer 'gut' heißt; Recherche, Bilder und allein schon das Schreiben von lesenswerten Texten selbst) die Zeit des Produzenten (also des Journalisten) und damit Geld kostet. Im Gegensatz zu bspw. diesen Zeilen hier: Kein Bild, nicht viel Wert auf einen lesenswerten Text gelegt und schon gar nicht recherchiert, während des Abendessens in ca 15-30 Minuten runtergeschrieben – für einen Text wie diesen wird niemand bezahlen wollen. Und ich mache mir nix vor: von ein paar Freunden/Bekannten und Zufallstreffern wird ihn auch niemand lesen; zu belanglos, zu austauschbar. (Warum ich ihn dann schreibe? Was soll ich denn stattdessen machen: Fernsehen? Den gedruckten Spiegel lesen? Briefmarkensammeln?)

Diesen Text von Stefan Niggemeier würden vielleicht einige Leute bezahlen (wenn er denn ein Bezahlmodell einführte) und immerhin so viele Leute lesen, daß ich den ein oder anderen Euro Werbe-Umsatz vermute.

Der kostenpflichtigen Text, den ich mir vorhin zufällig aus dem abendblatt.de-Angebot rausgepickt habe (Agenturmeldung, geschätzt: 300-400 Wörter) – kostenlos, indem ich im Konqueror in Browser Identification "abendblatt.de: Googlebot" eingestellt habe – liegt im Bezahlenswert-Spektrum von diesem Text meiner Wenigkeit ganz links bis zum Stefan-Niggemeier-Text ganz rechts m.E. weiter auf der linken Seite.

Aber mal ganz unabhängig von Qualität, lesenswert, für jemanden persönlich hilfreich und dem ganzen subjektiven Gedöns; oder kurz: unabhängig vom Wert, den ein Text für jemanden oder ganz viele Leute hat. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Angenommen dieser eine abendblatt.de-Text wäre für mich aus irgendwelchen Gründen doch interessant und mir wäre diese Browser-Trickserei unbekannt. Dann könnte ich ihn nur lesen, indem ich ein abendblatt.de-Abo kaufe, obwohl mich die ganzen anderen Texte nullkommanull interessieren und obwohl mich auch auf spiegel.de, auf taz.de, auf focus.de, auf zeit.de, auf 11freunde.de und und und i.d.R. nur jeweils einzelne Texte interessieren. Soll ich etwa für jedes dieser Webangebote ein 7,50-Euro-Abo abschließen?.

Der große Vorteil des Internet-Zeitalters gegenüber dem Print-Zeitalter bzgl. Presse/Journalismus ist doch der, daß ich nicht auf eine (oder zwei, drei) Publikation (je nachdem, wieviel ich mir leisten kann/will) festgelegt bin: Früher hatte ich ein Neue-Westfälische-Abo oder ein Westfalenblatt-Abo und musste darin das (wenige) lesen, was mich interessiert hat. Heute kann ich mir auf westfalenblatt.de und nw-news.de ausschließlich das zusammensuchen, was mich interessiert (und sei es nur der Arminiaspielbericht von der Westtribüne auf westfalenblatt.de und und der von der Nordtribüne auf nw-news.de). Unabhängig von kostenlos oder nicht: Darauf will ich doch nicht mehr verzichten!

Nicht daß es für mich interessant gewesen wäre, aber wenn die wenigstens gesagt hätten: Ein 7,50-Euro-Abo für alle Springer-Angebote. Das wär schon blöd. Aber so? Wie megablöd und rückwärtsgewandt kann ein Bezahlmodell sein? Wenn Paid-Content letztlich daran scheitern würde, daß den Springer-Leuten nix Besseres als sowas eingefallen ist: Selbst schuld – ach nee: Selbstverständlich wird es dann an der Kostenlos-Mentalität im Netz gescheitert sein. Nach der Heidelberger Erklärung, dem Hamburger Appell, der Berliner Mahnung und dem Frankfurter Hilferuf wird nach dem Kohlepfennig vor 30, 40 Jahren dann der Papierpfennig eingeführt.

Und unabhängig von allem, was ich bis hierhin geschrieben habe: Wie lustig ist es eigentlich, daß Springer, Burda und wie sie alle heißen wie die Rohrspatzen über Google schimpfen und dann den Googlebot im Gegensatz zu ihren Lesern kostenlos auf die Seite lassen?

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Kommentare

also "abendblatt.de:

also "abendblatt.de: Googlebot" finde ich ja ganz phantastisch!
mag sein, dass das schon wieder die halbe welt weiss, aber ich haette fuer diese info sogar einen groschen rueber geworfen. schoen, dass ich auch kostenlos etwas von dir lernen durfte. danke fuer diesen artikel :)

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