Happiness, Flutsch Flutsch, Fun Fun, Waltons, Daltons everyone

Ach ja, ich könnte hier und jetzt schön weiterpartizipieren, indem ich mich über die GEZ und öffentlich-rechtliches TV aufrege. Doch die Arbeit nehmen mir ja glücklicherweise Teile der Presse ab. Jüngst, nämlich genau gestern, spiegel.de, wo man sich ja häufiger schlechte TV-Sendungen reinzieht. Übrigens mit Argumenten, die auch ich vortragen würde: Doofe Sendungen / Filme / Talkshows landen im Hauptprogramm, wirklich gute Filme / Dokumentationen beginnen i.d.R. Dienstagsabend um 0:30 Uhr, werden bis zur Unkenntlichkeit zusammengestaucht ("Monitor" und dergleichen) oder ganz aus dem Programm geschmissen (wie bspw. der großartige Friedrich Küppersbusch damals). Interesanterweise haben, wenn man den Worten der Monitor-Cheffin glauben darf, die Sendungen, die die Polit-Magazine im Ersten von ihren Sendeplätzen verdrängt haben, schlechtere Quoten als sie die Polit-Magazine dort zuvor hatten. Quoten können demnach nicht das entscheidende Argument für die miese Qualität sein; und damit auch nicht die von den Programmplanern unterstellte Dummheit ihres Publikums. Dann stellt sich jedoch die Frage: Warum wurden gute Sendungen denn nun verdrängt?

Wie es der Zufall will, wurde ich von Freunden in den letzten Wochen auf zwei taz.de-Beiträge und ein Interview mit dem Bestseller-Philosophen Richard David Precht (den ich bisher immer nur im TV gesehen hab) aufmerksam gemacht.

Der erste taz-Beitrag beschäftigt sich mit dem Trend zur TV-Total-Verweigerung. Das hat nix oder nur teilweise etwas mit Stefan Raab zu tun, sondern handelt von einem Fernseh-Aussteiger:

Seitdem ich nicht mehr fernsehe, grundversorge ich mich anderswo. Und stehe damit nicht allein: Die Nichtfernseher werden immer mehr. (...)
Unterdessen sagen immer mehr Experten den Untergang des Leitmediums voraus, wofür man freilich kein Experte sein muss. Seit ich nicht mehr fernsehe, grundversorge ich mich anderswo. Intelligentes Fernsehen (etwa "Southpark" oder die "Daily Show") gibts im Internet, gescheite Filme auf DVD oder im Kino. Und wenn mir wirklich mal der Sinn nach Unsinn steht, kann ich ebenso gut durch den Spiegel blättern oder den Wirtschaftsteil der FAZ studieren.
[taz.de]

Wenn "Untergang des Leitmediums" TV lese und die Frage, ob es ein neues Leitmedium gibt, das Fernsehen ersetzt, mal mit "Nein" beantworte, dann denke ich sofort ans "Ende der Metaerzählung".

Wie auch immer: Der andere taz-Artikel dreht sich um's Thema Politik(er) und Fernsehen. In ihm ist der schöne Satz

Die Konsequenz, mit der sie [die Politiker] beim Aufleuchten der roten Lampe jeden originellen Gedanken aus ihren Auslassungen verbannen. "Abgehoben" ist dafür ein viel zu harmloser Ausdruck. Eher spricht daraus die Verachtung der Politiker gegenüber all jenen, die mit ihrer Zeit nichts Besseres anzufangen wissen, als sich im Fernsehen Politiker anzuschauen. [taz.de]

zu lesen, der ja nicht nur etwas über Politiker und Fernsehzuschauer aussagt, sondern auch über die, die die Politiker befragen.

Wenn es nach dem Bestseller-Philosophen Precht geht, ist es jedoch ganz gut, daß sich all jene, die mit ihrer Zeit nichts Gutes anzufangen wissen, im Fernsehen Politiker oder sonstwas anschauen:

Ein Arbeitsloser ist heute nicht mehr auf der Straße, sondern guckt Fernsehen, zappt sich durchs Programm. Diese elementare Form der Befriedigung, der Müdemachung durch visuelle Reize, durch Kicks und Ähnliches trägt zum Frieden bei. Wenn es keine Unterhaltungselektronik dieser Art gäbe, wäre die Unzufriedenheit unter den Unterprivilegierten, dem Prekariat in unserem Land viel größer. Das klingt zwar zynisch, ist aber wahr. [merkur.de]

"Abgehoben" ist für dieses Zitat ein viel zu harmloser Ausdruck. Eher spricht daraus die Verachtung des Bestseller-Philosophen gegenüber all jenen, die mit ihrer Zeit nichts Besseres anzufangen wissen, als sich bei Johannes B. Kerner Bestseller-Philopophen anzuschauen und das für Qualitätsfernsehen halten. Ob es zynisch klingt, weiß ich nicht. Es ist aber wahr.

(Ganz nebenbei: Wie grandios ist es eigentlich, seine eigenen Aussagen einfach mal so mit "Das ist wahr" abzuschließen?)

So, ich könnte jetzt wie gesagt noch stundenlang weiterpartizipieren. Aber statt meine Zeit mit Bloggerei zu verplempern, hau ich mich jetzt erstmal vor die Glotze:

Auch Die Zeit fragte sich seinerzeit (im Februar 2009) voller Sorge:


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