Den beste Text zum Thema iPad, nein: zum Thema Apps hab ich grad auf [faz.net] gelesen. Darin sind so viele guten Textstellen, ich weiß gar nicht, welche ich zitieren soll und wähle völlig willkürlich diese vier hier:
Auf der anderen Seite sitzen die Vertreter der Unterhaltungskonzerne, für die das Netz nur ein weiterer Distributionskanal der klassischen Medien ist, angereichert um ein paar interaktive Spielereien. Es ist ein ungleicher Kampf, bei dem die kleinere Seite nur deshalb überlebt hat, weil die großen Medienunternehmen bis heute nicht wirklich verstanden haben, wie das Netz – auch als soziales Netz – funktioniert. [das steht in der FAZ!]
(...)
Wird das iPad dennoch ein Erfolg? Ich hoffe es. Denn Google hat schon angekündigt, falls das iPad erfolgreich sei, mit einem eigenen Tablet-Computer nachzustoßen. Und Google hat dafür mindestens ein Betriebssystem, das diesen Namen verdient: „Android“ ist eine freie und quelloffene Plattform (...), für die jeder Software schreiben und verkaufen darf. [faz.net]
Kleine Ergänzung meinerseits: Hätte es das iPad damals schon gegeben, dann gäbe es wahrscheinlich auch diesen Text in seiner inhaltlichen Qualität nicht, denn er wurde geschrieben: nicht von einem Journalisten, sondern von einem Fachmann*.
* Jörg Kantel ist Herausgeber und Autor des Weblogs „Der Schockwellenreiter“. Hauptberuflich ist er EDV-Leiter am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte. Von 2006 bis 2009 unterrichtete er Multimedia im Netz am Fachbereich für angewandte Informatik der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) in Berlin.
Kommentare
05.02.2010 - 08:56 — Ben (not verified)
Bei aller Liebe und bei allem
Bei aller Liebe und bei allem Respekt vorm Schockwellenreiter … aber da hat er wohl etwas völlig falsch verstanden. Iphone, ebenso wie Ipad glänzen ja nicht zuerst mit dem App-Store. Der Mag für Verlage, die Unterhaltungsindustrie und die Spielebranche attraktiv sein … aber was Iphone und Ipad so groß macht und wohin der App-Entwicklungsug gerade rollt ist HTML5 im Safari. Mit weitem Abstand nutze ich nach dem Musikplayer, den Safari am häufigsten auf meinem Iphone. Und Google macht hier in brillanter Weise vor, dass Web-Apps den Istore-Apps zu denen sie im Wettbewerb stehen, eben in nichts nachstehen.
In den 90er gab es das Ipad. Es hieß "Windows" und ich frage mich, ob der Schockwellenreiter wohl mit Outlook Express arbeitet … wenn nicht, soll er sich mal fragen, warum. Pft!
05.02.2010 - 11:48 — Thomas
Na ja, es geht ihm (wie mir,
Na ja, es geht ihm (wie mir, was ich oben ja nicht unerwähnt lasse) um die APPS und nicht um die PADs und PODs und wie sie alle heißen. Die sind lediglich Hardware...
Was du zu Google schreibst, lese ich bei ihm ja auch raus: Die offenen Web-Apps stehen zu den 'geschlossenen' Istore-Apps im Wettbewerb. Und das ist auch gut so.
Mit dem Äpfel-Birnen-Vergleich, daß das Ipad der 90er "Windows" hieß, würde dir glaube ich, sogar Andreas Göldi widersprechen. Ersetze hier
"Android durch "Windows" oder gerne auch durch "Mac OS" und streiche "freie und quelloffene".
05.02.2010 - 11:57 — Thomas
Nachtrag: DASS du den Safari
Nachtrag:
DASS du den Safari auf deinem Iphone mit großem Abstand am häufigsten nutzt, hängt halt damit zusammen, daß es in den 90ern keine APPs, sondern Plattformen gab, auf und für die man frei Software entwickeln konnte und daß APPs eine Gefahr darstellen, daß diese irgendwann Zeiten vorbei sein könnten - und Android glücklicherweise in eine andere Richtung steuert.
DAS ist m.E. die wesentliche Message des Textes.
05.02.2010 - 15:41 — Ben (not verified)
Als das zumindest geht nicht
Als das zumindest geht nicht wirklich aus den Zitaten hervor …
05.02.2010 - 18:04 — Thomas-nicht-eingelogged (not verified)
Also, ich finde, in Teilen
Also, ich finde, in Teilen wird das in den Zitaten mindestens angedeutet.
Aber unabhängig davon: Die Zitate sind ja - wie gesagt - auch nur eine willkürliche Auswahl.
06.02.2010 - 11:21 — Ben (not verified)
Also ich muss mich da nochmal
Also ich muss mich da nochmal wehren, weil ich den gleichen Unfug gerade bei meinem Arbeitgeber nochmal gelesen habe: http://www.zeit.de/2010/06/Apple
Ich sag es nochmal anders: Das Ipad ist kein Ersatz für den regulären Rechner und schon gar nicht für Leute wie Alex Payne, Dich oder mich. Der Ipad ein ein Endgerät, ein Abspielgerät, wie der Ipod oder das Iphone oder das Kindle oder irgendein MP3 Player oder Handy oder E-Reader. Ende. Ohne Zweifel wird es für einige Menschen den Computer ersetzen, aber ich sags mal so: Das sind die Leute, für die es ohnehin höchste Zeit wird, etwas benutzbareres, weniger unzumutbares zu bekommen.
Und wie ich bei Andreas Göldi auch schon kommentiert habe: Die Vorstellung das der Ipad "geschlossen" sei, ist nur in dem Sinne richtig, dass es geschlossener ist als OS X oder Linux oder Windows. Aber "geschlossen" ist anders. Ich kann weiterhin meine MP3s bei Amazon kaufen und auf dem Ipad hören. Ich kann weiterhin meine Film bei Rapdishare runterladen und auf dem Ipad gucken. Ich kann weiterhin jede Webseite besuchen und völlig ohne Einschränkungen verwenden.
Wenn Du irgendeine Anwendung für's Ipad programmieren willst, steht Dir die mächtigste (weil offenen) Frameworks zur Verfügung, die es je gab: Alles was auf einem Server läuft und alles, was man mit HTML5 + Javascript bauen kann. Und wenn Dir das nicht reicht, dann kannst Du Cocoa lernen und eine App in den App-Store packen. Klar entscheidet Apple, welche Apps in den Store kommen und welche nicht. Aber angesichts dessen, was dort alles kreucht und fleucht, kann ich mir kaum vorstellen, dass da weniger als der letzte Dreck rausfliegt, der auch für Linux und Windows besser nie hätte programmiert werden sollen.
06.02.2010 - 15:47 — Thomas
Der zweite Absatz ist klar
Der zweite Absatz ist klar (hast du mir ja mal persönlich erklärt), beim letzten Absatz würde ich zwar gerne nochmal widersprechen. Aber ok, lassen wir's an dieser Stelle gutsein (vielleicht ja mal irgendwann vis-à-vis). Ich glaube, im Kern widersprechen wir uns vielleicht in dieser Aussage:
Ich bin vielleicht doch ein hoffnungsloser Idealist und glaube noch zu sehr an den 'Besseren Menschen', der irgendwann offenere Systemen zu schätzen weiß und für den Internet mehr als nur ein weiterer Massenmedien-Kanal ist ;)
07.02.2010 - 00:03 — Ben (not verified)
An den Menschen glaube ich
An den Menschen glaube ich auch. Ich glaube nur, dass er bevor er dazu wird, keine Lust hat, Druckertreiber zu installieren, Dateien auf einem Rechner zu suchen und sich zwei Dutzend Passwörter zu merken. Wenn der Mensch (und ich rede hier von Menschen wie meiner Mutter oder meiner Schwester), dann irgendwann erkennt, dass er gerne mehr hätte als MP3s, Filme, E-books, ein paar Apps und Internet … dann ist Apple ja da und hat schon etwas für sie. Aber heute muss man als Computer-Illiterat ja immer gleich in der Champions League einsteigen, statt erstmal auf dem Blozplatz ein paar Bälle zu kicken, um zu schauen, ob einem das überhaupt gefällt. Ich weiß wovon ich rede … ich hab meiner Schwester just an Weihnachten ihren neuen Rechner eingerichtet. In der Situation in der Du und ich uns befinden, vergisst man ständig, was die andere alles nicht wissen, eigentlich gar nicht wissen wollen … und – wie ich immer öfter finde – gar nicht wissen müssen sollten.
07.02.2010 - 00:05 — Ben (not verified)
Doch noch nicht fertig … ich
Doch noch nicht fertig … ich meine … wir (ich) erwarten, dass diese Maschine hier und das was wir damit machen, Bücher, Comics, Zeitungen, Filmen, Kinos, CDs, Schallplatten, Bildern ebenbürtig sei, ja sogar überlegen. Was wir bis heute aber nicht geschafft haben, obwohl wir die Möglichkeiten dazu haben, ist Computer auch so einfach zu machen, wie ihre Vorgängermedien.
07.02.2010 - 19:48 — Thomas
Ich stimme dir ja vollkommen
Ich stimme dir ja vollkommen zu, z.B. daß diese ganze Schrauberei auf ein Minimum reduziert oder ganz verschwinden und alles so einfach wie möglich sein sollte. Das Sich-Herumschlagen mit irgendwelchen Treiberproblemen nur als geistige Onanie war in meinen Augen noch nie besonders sexy. PC-Leuten beim Quatschen zuzuhören, kann sehr, sehr ermüdend sein. Und da sind Apple ja gewisse Verdienste gar nicht abzusprechen (ob sie immer alles erfunden haben, wage ich zwar zu bezweifeln; aber sie haben es salonfähig gemacht).
Aber um es mal mit den Worten von Helmut Kohl auszudrücken: Das ist überhaupt nicht mein Thema. Für mich sind das Internet bzw. Computer allgemein schlicht und einfach wertlos, wenn sie irgendwann zu einem weiteren bzw. zum einzigen Distributionskanal für FoxNews-, EMI- oder Pixar-Produktionen verkommen (avec ein paar Furzkissen-Apps obendrauf). Anschaulicher ausgedrückt: Für mich hätte das Internet nicht erfunden werden müssen, nur damit ich mir ein Michael-Jackson- oder Depeche-Mode-Album ganz unkompliziert aus dem iTunes-Store lade anstatt es mir als CD zu kaufen oder CNN auf einem iPad statt auf einem Röhrenfernseher schaue.
Cool finde ich, daß anmutunddemut.de rein technisch ein gleichberechtigtes Dasein neben zeit.de führt (und ich auf anmutundemut.de mehr Zeit verbringe als auf zeit.de) oder irgendwelche Musik, von der ich, wenn es lediglich die 'alten' Distributionskanäle gäbe, nie etwas gehört hätte bzw. die es dann vielleicht nicht einmal geben würde.
Und darum, daß diese Gefahr (Wiedererstarken klassicher, 'mainstreamiger' Distributoren) mit den Apps und geschlossenen Plattformen (aber auch mit Einschränkungen bei der Netzneutralität; wird in dem Text ebenfalls gestreift) verbunden ist bzw. daß das Internet das heute wäre, wenn es sie schon in den 90ern gegeben hätte, geht's dem Typen. Und daß bspw. mit Android die Hoffnung verbunden ist, daß es nicht so kommt.
07.02.2010 - 20:07 — Thomas
PS: Falls das noch nicht klar
PS: Falls das noch nicht klar geworden ist: Mit dem 'besseren Menschen' [ ;) ] meine ich nicht den Menschen, der es gelernt hat bzw. sich dran gewöhnt hat, zu komplizierte Dinge zu bedienen.
08.02.2010 - 12:54 — Ben (not verified)
Ok. Also mal davon abgesehen,
Ok. Also mal davon abgesehen, dass sich weder am Verhältnis von anmutunddemut.de und zeit.de noch an den Techniken hinter beiden Angeboten etwas ändert mit dem Ipad … davon also abgesehen, kann ich die eher generelle Sorge um die grobe Richtung, in die der Zug fährt verstehen.
Nebenbei: Thomas, richtest Du mir einen User ein kannst du registrierten Usern erlauben ohne Mollom Spam-Schutz zu kommentieren? Das wäre prima.
08.02.2010 - 14:06 — Thomas
Das ist schön, daß du die
Das ist schön, daß du die generelle Sorge um die grobe Richtung verstehen kannst.
Grundsätzlich ändert sich an den Techniken ja alleine durch das Ipad nix - nicht in der Form, in der es jetzt vorgestellt wurde (mit Safari HTML5 etc etc). Und ich wiederhole mich nochmal: Es geht hier weniger (um nicht zu sagen: gar nicht) um das iPad (Hardware) als um das App-Prinzip bzw. um das Internet als reinen Massenmedien-Distributionskanal, also die eher generelle Sorge um die grobe Richtung... aber da sind wir uns ja jetzt offenbar einig.
Ja, ich schau mal mit dem Registrieren. Mein 'Theme' ist so provisorisch zusammengezimmert, daß das evtl. Probleme bereiten könnte.
11.02.2010 - 13:53 — Thomas
Nachtrag: Mal das hier
Nachtrag: Mal das hier beobachten. Da steckt sehr viel von der Diskussion oben drin. Opera will einen Browser für's Iphone entwickeln...
Bisher allerdings ist es Apple-Politik, neben dem hauseigenen Safari keine weiteren kostenlosen Browser auf dem iPhone zu dulden. Aus eben diesem Grund hat sich auch noch kein größeres Unternehmen daran versucht, eine solche Software für das iPhone zu programmieren - die bislang erhältlichen Alternativ-Browser sind von Kleinanbietern und samt und sonders kostenpflichtig. [spiegel.de]