Vorhin im Radio von irgendwelchen Exil-Ägyptern gehört, die in Berlin demonstrieren und sich organisieren gegen das Unrechtsregime in ihrer Heimat, wo die Menschen in bitterer Armut leben, hungern, von einer Geheimpolizei unterdrückt werden und sich aus Angst vor dieser selbst in Berlin lebend nicht trauen, dem Reporter ihren Namen zu sagen. So wie man es von Exil-Irakern, -Iranern oder -Chinesen hört.
Ok, ich habe mich in den letzten Jahren zu einem Medienkonsumenten entwickelt, der reflexartig weghört oder umschaltet, sobald das Wörter wie "Gazastreifen" auftauchen. Nicht weil ich nicht glaube, daß da irgendwas gelöst werden muss, sondern weil sich die Nachrichten aus diesen Krisenherden und die Statements von Politikern und Journalisten seit meiner Kindheit immer identisch anhören (so penetrant, daß man den Eindruck bekommen könnte, daß in Echt aus irgendwelchen Gründen vielleicht gar keiner ernsthaft an der Lösung dieser Probleme interessiert ist). Will sagen: Ich habe mich nicht aktiv um Wissenserwerb bzgl. der Situation in Ägypten (oder Tuniesien) gekümmert.
Zu jedem Zeitpunkt hätte ich allerdings bei Günter Jauch die Frage beantworten können, wer ägyptischer Staatspräsident ist, denn in all dem Intifada-Israelische-Siedlungspolitik-Wir-Brauchen-Dauerhaften-Frieden-Im-Nahen-Osten-Gebrabbel tauchte immer auch der Name "Mubarak" auf – aber stets als gemäßigter, dem Westen nahestehnder Vermittler. Nie hatte ich den Eindruck, es handele es sich um einen bösen Diktator, der sein Volk leiden lässt...
...und es wundert mich doch sehr, das von 'den' Medien erst jetzt zu erfahren, nachdem das unterdrückte Volk dort auf die Straßen geht. Welchen völlig falschen Einruck man trotz des dicht gestrickten Korrespondentennetzwerks von ARD&ZDF wohl von anderen Ländern hat?
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